Herzog & de Meuron gewinnen städtebaulichen Wettbewerb für neuen Stadtteil Grasbrook zusammen mit Vogt Landschaftsarchitekten

Der städtebauliche und freiraumplanerische Ideenprozess, den die HafenCity Hamburg GmbH gemeinsam mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und der Behörde für Umwelt und Energie für den neuen Stadtteil Grasbrook am Südufer der Norderelbe ausgelobt hatte, ist abgeschlossen. Die öffentliche Beteiligung in der Schlussphase und die finale Jury-Sitzung wurden wegen der Corona-Krise in virtueller Form durchgeführt. Der prämierte Entwurf des Teams Herzog & de Meuron und Vogt Landschaftsarchitekten wird nun das städtebauliche und freiraumplanerische Gesamtbild des Stadtteils Grasbrook bestimmen.

Herzog & de Meuron gewinnen städtebaulichen Wettbewerb für neuen Stadtteil Grasbrook zusammen mit Vogt Landschaftsarchitekten

Lageplan Grasbrook © Herzog & de Meuron und Vogt

Der neue Stadtteil Grasbrook liegt gegenüber der HafenCity, am Südufer der Norderelbe, und wird der westlich angrenzende neue Stadtteilnachbar der Veddel sein. Der Stadtteil soll ein feinkörnig gemischter und lebendiger Ort werden, gleichzeitig hat er das Potenzial für ein weltweit vorbildliches nachhaltiges Projekt, das die begrenzten Ressourcen berücksichtigt. Vorgesehen sind circa 3.000 Wohnungen, in Miete und Eigentum, für Genossenschaften und Baugemeinschaften, davon ein Drittel geförderte Wohnungen. Auch die soziale Infrastruktur mit Grundschule und Kitas sowie neue Angebote für Nahversorgung, Sport und Kultur werden hier ihren Platz finden. Darüber hinaus entstehen circa 16.000 Arbeitsplätze. Durch innovative Nutzungs- und Mobilitätskonzepte sowie einen verbesserten Zugang zum ÖPNV sowie großzügigen Grünflächen soll der Grasbrook einen unmittelbaren Nutzen für die Menschen in den umliegenden Stadtteilen stiften.

Herzog & de Meuron gewinnen städtebaulichen Wettbewerb für neuen Stadtteil Grasbrook zusammen mit Vogt Landschaftsarchitekten

Für die städtebauliche und freiraumplanerische Qualifizierung des neuen Hamburger Stadtteils Grasbrook war die Zielsetzung, unter internationaler Beteiligung eine qualitätvolle Funktionsplanung als Grundlage für die spätere Bebauung zu erstellen. Als Verfahren wurde der so genannte Wettbewerbliche Dialog gewählt, der eine kontinuierliche Bearbeitung der Auslober und Planungsbüros im Dialog sowie eine weitgehende Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht. Als besonders innovatives Element wurde die Freiraumplanung nicht als „nachträgliche Begrünung“, sondern als gleichberechtigter Wettbewerbsbestandteil zeitgleich mit dem Städtebau bearbeitet. Als Vorarbeiten flossen die Ergebnisse der umfassenden Standortanalyse, der vorlaufenden Beteiligungsprozesse sowie erste Ansätze zu den strategischen Innovationsthemen ein.

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Grasbrook Perspektive 1 © Herzog & de Meuron und Vogt

Das gesamte Wettbewerbsverfahren Grasbrook, das im September 2019 startete, wurde durch einen intensiven Beteiligungsprozess begleitet, der in einer Mischung aus öffentlichen Veranstaltungen und Online-Angeboten auf ein außerordentlich hohes Interesse der Öffentlichkeit traf. Die Nachbarn aus der Veddel, aus Rothenburgsort, Wilhelmsburg und der HafenCity sowie Hamburgerinnen und Hamburger waren im Rahmen von vier Grasbrook-Werkstätten mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, Online-Beteiligungen sowie aufsuchender Befragung dazu eingeladen, aktiv am Ideenprozess mitzuwirken. Die Ergebnisse des Diskussionsprozesses wurden dokumentiert, ausgewertet und bereits in die Aufgabenstellung des „Wettbewerblichen Dialogs“ aufgenommen. Zuletzt hatten Bürgerinnen und Bürger im Januar 2020 das Angebot einer ganztägigen Bürgerwerkstatt wahrgenommen, den entwerfenden Planungsbüros persönliche Anregungen und Hinweise für die endgültige Ausarbeitung der finalen Entwürfe zu geben. Insgesamt haben circa 2.500 Bürgerinnen und Bürger ihre Anregungen, Befürchtungen und Ideen in den Ideenprozess zum Grasbrook eingebracht. Wir berichteten darüber.

Auch nach der Entscheidung des Wettbewerblichen Dialogs werden die nächsten Planungsschritte mit vielfältigen öffentlichen Beteiligungsmöglichkeiten begleitet. Voraussichtlich im Herbst 2020 werden die Ergebnisse des Wettbewerblichen Dialogs nochmals mit Plänen und Modellen öffentlich ausgestellt und in verschiedenen öffentlichen Diskussionsformaten erörtert. Im Herbst 2020 startet außerdem die formale Bürgerbeteiligung im Rahmen des B-Planverfahrens.

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Grasbrook Perspektive 2 © Herzog & de Meuron und Vogt

Seit der ersten Jury-Sitzung am 3. Dezember 2019 hatten drei ausgewählte internationale Planungsteams, durch die Jury jeweils aus einem städtebaulichen und freiraumplanerischen Büro zusammengestellt, an der Konkretisierung ihrer Ideen zum neuen Stadtteil Grasbrook gearbeitet.

In der zweiten und finalen Jury-Sitzung am 3. April hatte das aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und politischen Vertretern zusammengesetzte Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Matthias Sauerbruch (sauerbruchhutton) folgende Prämierung vorgenommen.

  1. Preis: Herzog & de Meuron Basel Ltd. (Basel) und VOGT Landschaftsarchitekten AG (Zürich)
  2. Preis: Mandaworks AB (Stockholm) und Karres en Brands RB (Hilversum)
  3. Preis: ADEPT ApS (Kopenhagen) und Studio Vulkan Landschaftsarchitektur GmbH (Zürich)

Es waren besondere Bedingungen, unter denen dieser anderthalb Jahre dauernde intensive Ideenprozess für Hamburgs neuen Stadtteil Grasbrook abgeschlossen wurde. Die Corona-Pandemie erforderte entsprechende Anpassungen und innovative Lösungen. Die geplante öffentliche Schlusspräsentation am Vorabend der Jury-Sitzung wurde ersetzt durch eine 12-stündige Online-Beteiligung. Um dem ursprünglichen Format möglichst nahe zu kommen, wurden pro Team eine umfangreiche 20minütige Videopräsentation sowie Pläne zur Verfügung gestellt. Rund 200 Kommentare von interessierten Bürgerinnen und Bürgern waren eingegangen, über Nacht ausgewertet und in die Jury-Sitzung eingebracht worden.

Auch die ganztägige Jurysitzung am Tag darauf wurde weitgehend in digitaler Form als Videokonferenz durchgeführt. Für die Jury-Mitglieder, die physisch präsent waren, konnten in der 1.200 qm großen Halle des Hamburg Cruise Centers entsprechend große Schutzabstände gewahrt werden.

Städtebauliche Ideen mit Moldauhafenquartier, Hafentorquartier und Saalehafenquartier

Mit dem prämierten Entwurf des Teams Herzog & den Meuron und Günter Vogt Landschaftsarchitekten hat die Stadt einen „räumlichen Fahrplan“ bekommen, der den Sprung über die Elbe anschaulich macht. Der Grasbrook soll mit diesem Entwurf zu einem neuen Vorzeigestadtteil werden von klarer städtebaulicher Struktur, mit Möglichkeiten für Nachhaltigkeitsinnovationen für einen klimaneutralen Stadtteil.

Hierfür wurde der Grasbrook in drei Quartiere geteilt: das Moldauhafenquartier, das Hafentorquartier und das Saalehafenquartier. In der Mitte soll ein fünf Hektar großer, lang gezogener Park, der Stadtpark „Veddelhöft“, mit einem See entstehen, an dessen westlicher Spitze später auch das Museumsschiff „Peking“ seinen Platz bekommt. Der große Park ist das Kernstück des Vorschlags, der von Wohngebieten umgeben ist. Bestehende denkmalgeschützte Gebäude entlang der Hafenanlagen werden erhalten und bilden einen Ausgangspunkt für die neue Entwicklung.

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Grasbrook Perspektive 3 © Herzog & de Meuron und Vogt

Das weitläufige Vordach des Übersee-Zentrums wird zu einem zentralen Freiraum im neuen Quartier. Entlang der Straßenachse im Osten und dem Hafengebiet im Süden wird eine Reihe von Geschäftsgebäuden verlaufen. Das Übersee-Zentrum am Moldauhafen mit Geschäften, Cafés und einem Wochenmarkt ist über eine breite Fußgängerbrücke direkt mit dem benachbarten Stadtteil Veddel verbunden. Die neue U-4-Haltestelle Grasbrook wird über dem Wasser entstehen – auf Stelzen im Becken des Moldauhafens, gegenüber der „Überseemeile“. Rund um das Becken des Moldauhafens sind zudem drei Hochhäuser geplant.

Bei den Fassaden der geplanten Gebäude haben sich Herzog & de Meuron an der bestehenden Hamburger Architektur orientiert. So soll es im Moldauhafenquartier zur HafenCity hin weiß verputze Fassaden geben, dahinter Gebäude aus Holz. In den anderen beiden Quartieren soll roter Backstein dominieren. Von oben werden die Gebäude dagegen einheitlich aussehen: begrünt und mit Solaranlagen ausgestattet. Das neue Quartier vereint alles, was die Lebensqualität in Hamburg ausmacht: Wohnen und Arbeiten mitten in der Stadt und gleichzeitig am Wasser.

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Grasbrook Perspektive 4 © Herzog & de Meuron und Vogt

Geplant ist bis zum Sommer 2021 die Vorplanung mit einer erneuten intensiven Bürgerbeteiligung abzuschließen.

Die nächsten Schritte sind jetzt die Erstellung einer detaillierten Funktions- und Bebauungsplanung, die Vergabe der Grundstücke und die weitere architektonische Planung der einzelnen Gebäude. Erste hochbauliche Maßnahmen könnten 2023 beginnen.

Entdecken Sie mit uns den neu geplanten Stadtteil Grasbrook. Auf unseren Architekturführung können Sie mehr erfahren.

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