Architekturreise München

Nachdem in diesem Jahr Corona-bedingt nicht an Fernreisen zu denken war, haben wir uns alle schon sehr gefreut zumindest eine innerdeutsche Exkursion, unsere Architekturreise nach München, durchführen zu können. Diese fand 21. bis 24. Oktober 2020 statt.

Unsere 11-köpfige Reisegruppe besuchte die bayerische Metropole München, die aufgrund der rasant wachsende Einwohnerzahl und der damit verbundenen Suche nach bezahlbarem Wohnraum vor sehr großen Herausforderungen steht.

Der erste Tag vermittelte uns eine grobe Orientierung der Münchner Innenstadt.

Wir spazierten von unserem am Sendliger Tor gelegenen Hotel durch die Sendliger Straße zum Jüdischen Zentrum. Von unserer Guiding Architects Netzwerkpartnerin Claudia erfuhren wir, dass der Entwurf von dem Saarbrücker Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch stammt, welches den Wettbewerb 2001 für sich entschieden hatte.

Architekturreise München

Architekturreise München, Ohel-Jakob-Synagoge © a-tour

Der Rundgang führte uns weiter vorbei am Wohnhaus am Oberanger von Staab Architekten zum Hofstatt-Areal, welches von den Schweizer Architekten Meili, Peter errichtet wurde.

Architekturreise München

Hier habe früher die Zentrale der SZ und der Münchner Abendzeitung gelegen, so Claudia. Diese „Verbotene Stadt“ sei 2008 nach dem Umzug der SZ in ein Hochhaus an den Ostrand Münchens entwickelt und Ende 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

Weiter spazierten wir vorbei an der Frauenkirche und durch den Schäffler Hof, der vom Schweizer Architekten Ivano Gianola stammt und einer der ersten Passagen Münchens war, zu den Fünf Höfen.

Wir hörten von unserem Guide, dass die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron das Konzept für das riesige Quartier entwickelten, nachdem sie den dafür ausgeschriebenen Wettbewerb im Jahr 1997 gewonnen hatten.

Alle wollten noch mehr sehen und so zeigte uns Claudia noch die Salvatorgarage. Sie erläuterte uns, dass Franz Hart hier 1964 einen markanten Parkhausneubau, dem zum Salvatorplatz hin ein einbündiger Bürotrakt vorgelagert ist, errichtete. Die neue Fassade der Aufstockung aus verzinktem Stahl des Architekten Peter Haimerl kontrastiert mit der Schwere der alten Backsteinfassade. Das Stahlgeflecht sorgt für die gewünschte Be- und Abgrenzung und bildet eine ebenso robuste wie signifikante Einfassung der neuen Stellplätze.

Da zwar alle schon ziemlich viel gelaufen sind aber der Architekturhunger noch immer nicht gestillt war, zeigte uns Claudia zum Tagesabschluss noch ein weiteres Highlight, die Neue Maxburg.

Wir erfuhren, dass sie von Sep Ruf und Theo Pabst an der Stelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Herzog-Max-Burg errichtete wurde. Claudia erklärte uns, dass sie eines der herausragenden Gebäude des Wiederaufbaus in Deutschland darstellt.

Der zweite Tag führte uns zunächst nach Nymphenburg zum Rothkreuzplatz und der Herz-Jesu-Kirche.

Architekturreise München

Architekturreise München, Herz-Jesu-Kirche © a-tour

Wir hörten, dass, weil der Vorgängerbau aus dem Jahre 1951 abgebrannt war, die katholische Pfarrkirche Herz Jesu im Jahr 2000 nach Plänen von Allmann Sattler Wappner Architekten neu errichtet wurde.

Uns trat ein kubischer Bau mit seiner 14 Meter hohen gläsernen blauen Frontseite und (halb-) transparenten Wänden entgegen. Innerhalb eines äußeren „Glaskastens“ steht ein weiterer, hölzerner Kubus, in den abhängig vom Sonnenstand durch Holzlamellen unterschiedlich viel Licht eindringt. Ein beeindruckendes Gebäude und wir fragten uns, was dieses Gebäude am heutigen Tag überhaupt noch toppen könnte.

Nach einer kurzen Fahrt mit der U-Bahn gelangten wir zum Projekt „Wohnen am Dantebad“. Hier hat das Büro Florian Nagler Architekten 2017 in der Flüchtlingskrise für die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG einen seriell strukturierten Baukörper mit 1- und 2,5-Zimmer-Wohnungen für Geflüchtete und Wohnungslose geschaffen.

Mit dem Bus fuhren wir weiter zum Olympiagelände. Dort sahen wir uns die Sanierung des Olympischen Dorfs der Frauen an, das zusammen mit der Alten Mensa, dem Studentenhochhaus und dem Olympischen Dorf der Männer Teil des denkmalgeschützten Ensembles ist. Claudia hatte noch eine Überraschung für uns parat. Der Hausmeister der Anlage wartete auf uns und wir bekamen die Möglichkeit von der Dachterrasse des Studentenhochhauses einen tollen Blick über die Anlage und den Olympia Park zu bekommen. Da auch leichter Fön war, hatten wir sogar beim Blick in südlicher Richtung den spektakulären Blick auf die Berge, den die Münchner so lieben.

Architekturreise München

Architekturreise München, Olympipark © a-tour

Nur ein paar Gehminuten vom Dorf entfernt wurden 2017 die Pläne für eine Gedenkstätte zum Münchener Attentat 1972 von Brückner & Brückner Architekten realisiert.
Noch ergriffen von den Eindrücken der Gedenkstätte, ging es hinüber zur Troika, die aus Olympiastadion, Olympiahalle und Olympiastadionschwimmhalle gebildet wird. Nachdem wir die Gebäude besucht und die schöne Dachstruktur studiert hatten, verbrachten wir unsere Mittagspause bei Sonnenschein auf der Terrasse des Restaurants am Olympiasee.

Frisch gestärkt schlenderten wir weiter und schon von Weitem sahen wir das markante BMW Headquarter. Von Claudia hörten wir, dass die Konzernzentrale der BMW Group 1973 nach dem Entwurf des Wiener Professor Dr. Karl Schwanzer eingeweiht wurde. Wir bekamen die Möglichkeit das Foyer des BMW Hautquartier zu besuchen.

Architekturreise München, BMW Museum © a-tour

Claudia erläuterte, das Schwanzer, der auch bei Oscar Niemeyer gearbeitet habe, BMW vorgeschlagen habe direkt angrenzend ein Museum zu errichten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die typische Beton-Schüssel mit einem Durchmesser 40 Meter uns etwas an Niemeyers legendären Entwurf für das Museu de Arte Contemporânea de Niterói, welches wir auch auf unserer Architekturreise nach Brasilien besucht haben, erinnerte. Zum Tagesabschluss passierten wir die Brücke zur 2007 eröffneten „BMW-Welt“. Claudia erzählte uns, dass diese nach Plänen von Coop Himmelb(l)au gebaut wurde.

Am dritten Tag geht es mit der U-Bahn ins Kunstareal.

Von Claudia erfuhren wir, dass das Kunstareal mit seinen 18 Museen und Ausstellungshäusern, mehr als 40 Galerien und Kulturinstitutionen sowie sechs Hochschulen einzigartig in Deutschland ist.

Wir gingen hinüber zum Lenbachhaus. Der Münchener Maler Franz von Lenbach hat das Gebäude, das nun die Städtische Galerie beherbergt, 1891 im Stil eines italienischen Landhauses bauen lassen. Neben dem neuen dreigeschossigen Anbau, den Norman Foster 2013 errichtete, sehen wir den ehemalige Ateliertrakt sowie die dottergelbe Villa des Malers.

Als nächstes stand das NS- Dokumentationszentrum auf dem Programm. Das scharfkantig weiße Sichtbetongebäude entstand 2015 nach Plänen der Berliner Georg Scheel Wetzel Architekten und hat die Form eines Würfels mit einer Seitenlänge von 22,50 Metern. Schmale, hohe Fensterschlitze in präziser Reihung geben gezielte Ausblicke in die geschichtsträchtige Umgebung am Königsplatz frei.

Von hier erreichten wir den Doppelbau mit der Hochschule für Fernsehen und Film und dem Ägyptischen Museum von Peter Böhm.

Wir legten eine kurze Kaffeepause auf der Dachterrasse der TUM München im „Voerhoelzer Forum“ ein, bevor es weiter ging zur Pinakothek der Moderne. Der klassisch schöne Bau vereint auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche vier Sammlungen aus den Bereichen Kunst, Architektur, Graphik und Design.

Architekturreise München

Architekturreise München, Museum Brandhorst © a-tour

Über die Sammlung Brandhorst von Sauerbruch Hutton  gelangten wir zur neuen Siemens Zentrale von Henning Larsen. Die Zentrale für etwa 1.200 Mitarbeiter wurde offen und transparent gestaltet. Das Herz des neuen Hauptquartiers bildet das Atrium, das sich in der Mitte des Gebäudes befindet und von allen Seiten aus zugänglich ist.
Leider war uns jedoch der Zugang wegen der Corona-Maßnahmen nicht möglich und so nutzen wir einen der schön inszenierten Innenhöfe für unser Gruppenbild.

Architekturreise München, Gruppenbild © a-tour

Dann stand ein ganz kurzer Spaziergang hinüber zum Odeonsplatz an, an dem unsere Tour endete.

Es waren drei tolle Tage in München. Danke Claudia für die tollen Eindrücke, die wir bekommen haben. Wir kommen sicher wieder.

Der ausführlich Reisebericht folgt. Mehr Informationen zu unseren Architekturreisen finden Sie hier.

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