Positionslichter: Maut für die Elbphilharmonie?

Eine Stadt läßt sich leicht als eine dichte Ansammlung von Häusern definieren. Aber was wäre sie ohne die Menschen, die in ihnen leben, arbeiten und manchmal auch Vergnüglichem nachgehen, sich bilden oder besinnen. Die Häuser bieten ihnen Schutz vor Wind und Wetter, vor unbefugtem Zutritt und Einblick in eine zu private Sphäre. Seit wir Menschen nicht mehr in Höhlen leben, haben die Räume zwischen den Häuser eine ebenso wichtige Bedeutung wie die Häuser selbst, und dies nicht nur um sie bequem erreichen und betreten zu können. Denn auch wenn wir im Norden Deutschlands von der Sonne nicht zu sehr verwöhnt werden, gewähren diese Zwischenräume den Wohnungen Licht, Luft und gelegentlich auch interessante Ausblicke und sie ermöglichen soziale Kontakte.

Die Außenräume der Stadt sind so gesehen nicht nur allein ihre umbebauten Reste. Die Straßen und Plätze sind eben nicht Räume des Verkehrs. Sie haben und brauchen ihre eigenen Qualitäten, auch für  einen vielleicht nicht direkt zweckgebundenen Aufenthalt. Schließlich sprechen wir nicht von ungefähr über das Wohnzimmer der Stadt oder von ihrem Hinterhof.

In der HafenCity hat man sich stets darum bemüht, solchen öffentlichen Räumen eine hohe, einladende Qualität zu geben. Darin liegt ihr architektonischer Wert. Noch vor den Bewohnern kamen neugierige Besucher in die neuen Quartiere und noch heute laden die breiten Promenaden an den Kaimauern, auf denen sich längst auch Restaurants und Cafés etabliert haben, aber auch die kleinen und großen Parks zum Flanieren ein. Geschickt separieren die Flutschutzwände solche öffentlichen Bereiche von den halböffentlichen Zonen in den Blockinnenhöfen, die auf den höheren flutsicheren Ebenen den Hausbewohnern als Freiraum bleiben. Die Qualität ihrer öffentlichen Räume ist also so etwas wie Visitenkarte der HafenCity.

Dabei sind nicht alle öffentlichen Räume in öffentlichem Eigentum: Das Erdgeschoss im Unilever Hauptquartier oder der Überseeboulevard sind eigentlich private Räume, aber nach den speziellen Kaufvereinbarung so eingerichtet als wären sie es. So lassen sich die Produkte des großen Lebens- und Waschmittelkonzern schnell in der Mittagspause nachkaufen oder ein Eis am Stil in der Sonne mit Blick auf die Elbe genießen.

Auch die Käufer der Überseequartiers mussten sich darauf einlassen, ihren privaten, aber öffentlich zugänglichen Straßenraum nach den Regeln einzurichten, wie sie in jeder öffentlichen Straße in Hamburg auch gelten. Es muss dort Versammlungsfreiheit herrschen und Obdachlose können nicht ohne Weiteres vertrieben werden. Es gibt kein Fotografierverbot und manch einer wird den Unterschied zum Magdeburger Hafen aus diesem Blickwinkel kaum bemerken.
Das ist auch richtig so, schließlich werden die Grundstücke in der HafenCity aus dem öffentlichen Eigentum verkauft, das im Prinzip allen Bürgern der Freien und Hansetat Hamburg gehört! Wird dies aber auch so bleiben, wenn der südliche Teil des Überseequartiers nun doch als Shopping Mall errichtet wird, wo es bekanntlich rigider zugeht als auf den Straßen der Stadt?

Maut für die Elbphilharmonie?

Und wie wird es auf der Plaza der Elbphilharmonie sein, die auf dem Dach des alten Kaispeicher A am 04. November eröffnet wird. Von hier hat man einen atemberaubenden Blick über Hamburg und seinen Hafen. Hier wird es Cafés und Restaurants geben und über allem erhebt sich die neue Elbphilharmonie. Der Platz soll öffentlich sein und viele, vor allem die Hamburger warten sehnsüchtig auf seine Eröffnung – zu viele wahrscheinlich, so dass geplant ist, seinen Zugang über Eintrittskarten zu regulieren. Kostenlos – zunächst und so wird es bleiben müssen. Denn erstens haben die Hamburger für die Elbphilharmonie schon mit ihren Steuergeldern bezahlt und zweitens ist die Öffentlichkeit dieses Empfangsraums der Stadt die beste Werbung für Hamburg.

Olaf Bartels

elbphilharmonie, Maut für die Elbphilharmonie?

Baustelle Plaza Elbphilharmonie © a-tour

One Comment

Krüger, Thomas

Bleibt zu hoffen, dass Hamburg es schafft, seine (halb)öffentlichen Räume zu bewahren. Am Potsdamer Platz in Berlin war das Atrium des Piano- Hochhauses mit dem grünen Würfel auf dem Schornstein auch mal so gedacht. Seit Nine Eleven ist er zu. Aus Sicherheitsgründen. Das Totschlagargument der Gegenwart.

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